Das Kollektiv MUSMIG ist ein Versuch migrantischer Selbsthistorisierung und fordert ein Museum der Migration in Österreich. Seit 2019 arbeiten Historiker*innen, Sozial- und Kulturwissenschaftler*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen in einem freien und wachsenden Kollektiv zusammen und organisieren Austausch und Dialog zu den Möglichkeiten und Konzepten eines Museums der Migration in Wien. Auf Ausstellungs- und Diskursprojekte 2019 und 2020 wie die „Geburt des Museums der Migration“ folgten Workshops und eine Corona-bedingte Ruhephase. Im Rahmen der WIENWOCHE 2023 wurde ein vierzigköpfiges wissenschaftlich-künstlerisches PLENUM veranstaltet und die erste – sechsköpfige – Direktion des Museums ernannt. 2024 arbeitete MUSMIG in seinen Direktionsräumen im Volkskundemuseum an seiner ersten kollektiven Ausstellung „GIB BESCHEID“, mit der auch die Vernetzung von Initiativen gestärkt wurde.
Seit 2025 ist MUSMIG auf Einladung des Volkskundemuseums Wien im Otto Wagner Areal / Pavillon 1 in einem eigenen MUSMIG-Raum präsent.
Aus diesem Anlass führte das Team des Volkskundemuseums folgendes Interview mit MUSMIG:
„Wir selbst sind die (post-)migrantischen Gemeinschaften“
Ein schriftliches Gespräch mit dem Kollektiv MUSMIG über ein Museum, das als Forderung nach einem Museum der Migration zu einem Museum wird, über Sammlungen auf Dachböden und einen konkreten Raum im Pavillon 1 am Otto Wagner Areal:
https://www.volkskundemuseum.at/interview/musmig
Das Direktorium
Mariama Diallo
geboren 1989 in Kamsar, Guinea, ist Aktivistin und Panafrikanistin, Künstlerin, Fotografin und Performerin. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien Kontextuelle Malerei in Österreich. Ein Schwerpunkt in ihrer künstlerischen Praxis bildet die Analyse rassistischer Körperpolitiken, denen sie ermächtigende Gegenentwürfe entgegensetzt. Sie beschäftige sich vertieft mit Geschichtsschreibung und der Diaspora. Ihre Arbeiten haben aktivistischen Charakter und zielen darauf ab, Gegenwart zu reflektieren und danach zu handeln. Sie ist Teil des Kollektivs des Schwabinggrad Ballet und Arrivati in Hamburg.
Lia Kastiyo-Spinósa
ist Redakteurin, Autorin und Künstlerin mit Schwerpunkt Poesie, Performance und Multimedia-Collage. Sie stammt aus der Karibik und ist seit ihrer Kindheit eine migrierte Person. Migration ist ein zentraler Bestandteil ihrer politischen Praxis, und sie kritisiert, wie der Kolonialismus uns in eine hegemoniale, zerstörerische Lebensweise eingeschlossen hat. Seit 2019 ist Lia Teil des Redaktionsteams von migrazine-Online Magazin von Migrant*innen für Alle und derzeit ist sie für den Kulturbereich des Vereins maiz-autonomes zentrum von & für migrantinnen in Linz zuständig. Sie hat mit folgenden Organisationen kollaboriert: Grupo Latinoamericano de Estudio, Formación y Acción Feminista (GLEFAS), Hypatia: A Journal of Feminist Philosophy, dem Feministischen Referat der HochschülerInnenschaft der Universität Wien, UNAM- México, WIEN WOCHE Festival, unter anderen.


Araba Evelyn Johnston-Arthur
ist transdisziplinäre künstlerische Kultur- und Erinnerungsarbeiterin, Zeitreisende, Wissenschaftlerin, Kuratorin, Lehrende, (Ver-)Lernende und Rechercheurin. Sie war Mitbegründerin und Aktivistin von PAMOJA. Bewegung der jungen afrikanischen Diaspora in Österreich, des Network of African Communities (gegen institutionellen Rassismus) und der Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte. Sie hat an der historisch Schwarzen Howard University in Washington D.C. gelehrt, Schwarze Politik und Geschichte der afrikanischen Diaspora studiert und ihre Doktorarbeit zur panafrikanischen, non-aligned Rassismuskritik von Unokanma Okonjo und der Pan-African Students Union of Austria im post-nazistischen Österreich der frühen 60er-Jahre verfasst. Gemeinsam mit Jelena Micić ist sie derzeit künstlerische Co-Leiterin der WIENWOCHE 2025, Festival für Kunst und Aktivismus und Teil des Direktor*innenkollektivs MUSMIG (museum für migration), eines Museums, das es noch zu erkämpfen gilt, während es gleichzeitig jetzt schon auch die grundlegende Gewalt thematisiert, die Museen in Europa meist zugrunde liegt.
Anna Seidel
ist Literaturwissenschaftlerin und Slawistin. Die 1988 als Tochter polnischer Eltern geborene Wienerin ist tief in der Wiener ‚Polonia‘ verwurzelt und lebt zwischen Wien und Berlin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Slawistik und Hungarologie im Fachbereich Westslawische Kulturen und Literaturen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Davor arbeitete sie u.a. als Kulturmanagerin bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Internationalen Comedy Filmfestival und der Berlinale.
Seit 2024 ist sie Obfrau des Vereins MUSMIG – Verein zur Musealisierung der Migration.


Savo Ristić
wurde 1978 als viertes Kind eines Gastarbeiterehepaars aus dem damaligen Jugoslawien geboren. Er ist Autor, Obmann sowie Gründer des Vereins „KUM – Verein Kunst und Menschen“ und Initiator eines Gastarbeiter*innen Denkmals in Wien.
Mehmet Emir
geboren 1964 in Hozat/Tunceli/Türkei, seit 1981 in Österreich, ist Künstler mit Schwerpunkt Fotographie sowie Musiker und Sozialarbeiter. In Wien war er anfangs als Hilfsarbeiter (Straßenbau) und Lagerarbeiter tätig. Er war u.a. Mitarbeiter der Stadtzeitung Augustin und arbeitete in der Fotoredaktion der Zeitschrift Stimme von und für Minderheiten von der Initiative Minderheiten. Er studierte von 2006-2010 Kontextuelle Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. Als Musiker arbeitete er mit den Musikgruppen Orientexpress, Gülistan, Lakis und Achwach, Lena Rotstein und zuletzt Wiener Tschuschenkapelle in Wien zusammen (Tonaufnahmen; 4 Schallplatten und CDs). Seit 2016 ist er am Institut für Sozialanthropologie (Geschichte der Ethnographien Asiens) beschäftigt. mehmet-emir.com
Koordinationsteam

Elena Messner
ist 1983 in Klagenfurt/Celovec geboren und als Kärntner Slowenin mit mazedonischen Wurzeln dort sowie in Ljubljana und Salzburg aufgewachsen. Sie studierte Komparatistik und Cultural Studies/Kulturwissenschaften in Wien und Aix-en-Provence. Sie forschte und arbeitete im Zuge ihres Doktoratsstudiums mehrere Jahre in Beograd, Sarajevo und Zagreb. Von 2013-2018 unterrichtete sie an der Germanistik in Aix-en-Provence und Marseille. Seit 2014 lehrt sie laufend an der Universität Klagenfurt. Sie realisiert regelmäßig wissenschaftliche, kulturelle oder künstlerische Projekte, war als Herausgeberin, Übersetzerin, Literaturkritikerin, Kulturwissenschaftlerin und Redakteurin tätig, und schreibt Romane, Essays, Kritiken und Theatertexte. Seit 2023 forscht sie als Senior Scientist (FWF) am Institut für Slawistik in Wien.

Ljubomir Bratić
ist 1964 in Jugoslawien geboren, Philosoph, Migrationsforscher und Publizist; er migrierte 1983 aus Serbien nach Österreich und absolvierte ein Studium der Philosophie und Slawistik, Kunstgeschichte, Pädagogik und EDV für Geisteswissenschaften an der Universität Innsbruck. Während seines Studiums arbeitete er in den frühen 1990er Jahren im jugoslawischen Verein Jedinstvo in Innsbruck mit. 1992 übernahm er gemeinsam mit E. Binder die Projektleitung für das
Diskursprojekt Gastarbeiter und Minderheiten – Bedrohung oder kulturelle Bereicherung. Von 1992 bis 1995 arbeitete er in der Ausländerberatungsstelle Tirol.
Er wurde auch Redaktionsmietglied des multikulturellen Magazin MOZAIK in Innsbruck. Ebenfalls noch während seines Studiums veröffentlichte er gemeinsam mit Eveline Viehböck sein erstes Buch: „Die zweite Generation.“ Es beschrieb Migrantenjugendliche im deutschsprachigen Raum und erschien im Jahr 1994 im
Österreichischen Studien-Verlag. Ab 1995 arbeitete Bratić im Integrationshaus Wien, dort auch als Geschäftsführerstellvertreter. Er war von 1999 bis 2004
Bundessprecher des Austrian Network Against Racism (ANAR) und 2000 Initiator und Mitgründer der Bunten Zeitung. Von 2002 bis 2005 fungierte er als Leiter
des Büros für ungewöhnlichen Maßnahmen (BUM) im Rahmen des EQUAL Projektes Open up. Er arbeitete an zahlreichen Kultur- und Ausstellungsprojekten mit.

Gabriela Urrutia Reyes
is an artist, Illustrator, designer and cultural manager. She graduated as an Architect at the Central American University in Managua, Nicaragua. She also holds a MA in Social Design, Arts as Urban Innovation from the University of
Applied Arts Vienna, where she was also member for the Students Union (ÖH), as Referentin of the International Students department for 3 years. Her work, both as artistic practice and cultural project coordination deals with interventions in the public space, performances and visuals. Part of her work addresses intercultural and migratory topics and has a transdisciplinary and practice-based approach that reflects on the importance of sensitive designs, de-colonial narratives and the equal and inclusive way of the design thinking process. She has participated in projects in the frameworks of: Wiener Festwochen 2023 & 2022 (group performance with Construction Choir Collective), Wienwoche Festival 2022 and 2023 editions (Project coordination and curatorial roles); Venice Biennial Art exhibition 2022, Personal Structures, European Cultural Centre, IT (Performance, Installation, workshop lead and guest for Panel on Art and Digital Humanism), 2022; Vienna Biennale for Change 2019, Group Exhibition, Human by Machine, Museum of Applied Arts, Vienna, (MAK), (Interactive Installation); Angewandte Festival 2020, (Installation); The places we Carry – The Performance at Austrian Train Stations (personal artistic project) 2019.
